2011 - Vorbei an den Hohen Tauern

 

Routenüberblick: Kirchberg in Tirol – Wildkogel – Krimml – Krimmler Tauern – Ahrntal – Ochsenlenke – Klammljoch – Defreggental – Staller Sattel – Pustertal (4 Tage)

Routenüberblick: Kirchberg in Tirol – Wildkogel – Krimml – Krimmler Tauern – Ahrntal – Ochsenlenke – Klammljoch – Defreggental – Staller Sattel – Pustertal (4 Tage)


Tag 1: Kirchberg in Tirol (837m) – Aschau (1041m) – Stangenjoch (1713m) – Mühlbachtal (1350m) – über den Wildkogel (2224m) zum Wildkogelhaus (2000m)


Wie im Vorjahr konnten meine alten Freunde Robert und Johannes gemeinsam mit mir vier Tage im vollen Terminkalender freischaufeln, um eine kleine Mehrtagestour auf klassischen Bikerouten zu unternehmen. In diesem Jahr machten wir uns weiter östlich auf den Weg, um einen kleinen Halbkreis um die Hohen Tauern zu drehen – eine Gegend, die auch für mich noch Neuland war, obwohl es sich um bekannte Alpencrossrouten handelt.

Aus drei verschiedenen Himmelsrichtungen (Zürich, Wien, München) treffen wir uns in unserer gemeinsamen Heimat Innsbruck, um am 18. August mit dem Regionalzug ins nahe gelegene Kirchberg in Tirol zu bummeln, dem Startpunkt unserer Route Richtung Süden. Bei Sonnenschein gelangen wir auf ruhigen Nebenstrassen und Radwegen in lockerer Fahrt bis nach Aschau. Dabei treffen wir noch eine lokale Bikeguidin (-in, wohl gemerkt!), die ihre Truppe in beeindruckendem Tempo in die gleiche Richtung wie wir führt, und uns noch ein paar kurze Tipps zur Routenfindung gibt.

Ab Aschau führt ein Forstweg durch sattgrüne Wiesen bergwärts zur xxx Alm, und erst kurz danach wird der Weg zunehmend steil und unfahrbar. Mit Einsatz lässt sich bis auf ca. 50 Höhenmeter alles fahren, und wir erreichen ohne größere Anstrengungen unseren ersten Pass, das Stangenjoch. Ein paar Forstrassen-Höhenmeter weiter bergab gönnen wir uns eine gemütliche Mittagspause bei der xxx-Alm. Teil zwei des Tagesprogramms führt uns weiterhin auf guten Forstrassen wieder bergwärts über die xxx-Alm Richtung Wildkogelhaus. Da wir früh genug dran sind und das Wetter sich immer noch bestens präsentiert, kann ich meine zwei Mitstreiter
dazu überreden, den kurzen Anstieg auf den Wildkogel-Gipfel in Angriff zu nehmen, ich packe mir dazu das Bike kurz auf den Rücken. Nicht mal 20 Minuten später genießen wir die tolle Fernsicht in die Venedigergruppe und ins Pinzgau. Im Wildkogel-Skigebiet unter uns sieht man die markanten Dirtbike-schanzen, die unter anderem in Andi Wittmans „Framed“ extrem eindrucksvoll ins Szene gesetzt wurden.

Die kurze Abfahrt auf dem Wanderweg retour macht richtig Spaß, und kurz nach vier sind wir auch schon im Wildkogelhaus, wider Erwarten mit sehr wenigen anderen Gästen. Der Rest des Tages vergeht mit Apfelstrudel, Abendessen und Plaudern mehr als gemütlich, während rund um uns einige sommerliche Wärmegewitter für tolle Fotoszenerien mit dunklen Wolken und Regenbogen sorgen.


Tagesdaten und Unterkunft:

1750 Höhenmeter

Wildkogelhaus (privat), Übernachtung im Vierer-Zimmer mit Frühstück/Abendessen ca. 45 € pro Person, empfehlenswert



Tag 2: Wildkogelhaus (2000m) – Wildkogeltrail nach Neukirchen am Großvenediger (857m) – Krimml (1001m) – durchs Krimmler Achental zum Krimmler Tauern Haus (1622m) – Windbachalm (1883m) – Krimmler Tauern (2633m) – über Kasern im Ahrntal (1566m) nach Prettau (1475m)


Der Wetterbericht für den heutigen Tag kündigt durchwachsenes Wetter mit einigen Wärmegewittern an, und das genau für die einzige etwas alpinere Etappe in unserem Tourprogramm, den Krimmler Tauern.

Früh am Morgen herrscht noch wolkenloser Himmel, perfekte Bedingungen um in den Wildkogeltrail zu starten. Diese Abfahrt ist nicht nur wegen diversen Transalp-Beschreibungen populär, sondern vor allem auch durch den alljährlich stattfindenden „Wildkogel Trailmaster“, ein bekanntes Enduro-Rennen. Und die lange Abfahrt bis zum Talboden macht wirklich Spaß: technisch nie wirklich schwierig, meistens flowig und mit Speed geht es bergab, zuerst durch Wiesen mit Aussicht auf die Venedigergruppe, dann durch den Wald und zuletzt noch über ein paar kurze Asphaltkehren.

Leider stellt sich bei diesem Downhill heraus, dass Roberts Bike nicht bestens gepflegt auf Tour gegangen ist: die Bremsleistung seiner hinteren Magura Marta geht gegen Null, meine Kurzdiagnose lautet auf nie durchgeführten Bremsbelag-wechsel. Zwar gibt es in Bramberg einen Bikeshop, aber der unfähige Mechaniker lässt uns erst mal eine halbe Stunde warten, bevor er nach einem Blick aufs Bike befindet, dass er Magura-Beläge eh nicht hat – toll. Die Moral von der Geschicht: vergiss Ersatzbremsbeläge nicht!

Wir lassen uns vorerst mal die Laune nicht verderben, bergauf braucht Robert die Bremse ohnehin nicht. Über den Pinzgau-Radweg gelangen wir nach Krimml, und innerhalb dieser halben Stunde hat sich der blaue Himmel komplett verfinstert. Das Touristengewimmel am Parkplatz der Krimmler Wasserfälle können wir noch hinter uns lassen, aber dann bricht ein heftiges Gewitter los – und das schon um 10 Uhr morgens! Ich sehe unsere Chancen für eine Querung des Krimmler Tauern im wahrsten Sinn des Wortes bereits davon schwimmen. Mit Regenjacken bewehrt warten wir das Ende des Gewitters ab, das uns glücklicherweise nur mit seinen Ausläufern streift. Im Nieselregen geht es auf der breiten Forstrasse vorbei an den beeindruckenden Krimmler Wasserfällen bergwärts, wir hoffen für heute zumindest zum Krimmler Tauernhaus zu gelangen.

Doch so schnell wie die dunklen Wolken kamen, waren sie auch auch schon wieder fort, und als wir nach einem dunklen Tunnel die Hochfläche des Krimmler Achentales erreichen, erstrahlt über uns wieder blauer Himmel, ein kleines Wunder! Für die nächste Stunde gibt’s Biken aus dem Bilderbuch: großteils flach oder leicht ansteigend fahren wir taleinwärts, vorbei an Almen, blühenden Sumpfgebieten und der kristallklaren Krimmler Ache. Dieses Eingangstor in den Nationalpark Hohe Tauern wird zu Recht für seine Naturschönheit gelobt!

Im historischen und doch mondänen Krimmler Tauernhaus gönnen wir uns eine größere Stärkung und beobachten nochmals das Wetter. Nur einige Quellwolken ziehen vorbei, vorerst scheint von Gewittern keine Spur mehr zu sein – also steht der Weiterfahrt nichts im Weg! Nach einem kurzen Stück taleinwärts, von wo wir einen beeindruckenden Blick auf den xxx-Gletscher haben, zweigen wir auf die steile Almpiste zur Windbachalm ab. Dort endet der Forstweg, und es beginnt der historische Säumerpfad zum Krimmler Tauern. Man sieht dem Weg seine Geschichte als wichtige Handelsroute noch an: in mühsamer Handarbeit aneinander geschichtete Steinplatten führen durch das Tal und haben früher wohl eine gute Wegtrasse dargestellt. Anfangs noch fahrend, müssen wir die Bikes bald schieben.

Schön ist es hier, grüne Wiesenmatten liegen zwischen uralten, flechtenbewachsenen Steinblöcken, und überall rinnt Wasser. Wir gewinnen bis zum Talende nur wenig Höhe, erst dort führt der Weg in Serpentinen den südlichen Hang bergwärts. Es zieht sich, und nach fast zwei Stunden schieben befürchte ich fast schon eine Meuterei in unserer kleinen Truppe. Aber Johannes und Robert marschieren zielstrebig weiter, bis wir in der nun graslosen Felsenwüste den Einschnitt des Krimmler Tauern ausmachen. Ein altes Steinhäuschen erinnert daran, dass früher hier Zollkontrollen durchgeführt wurden. Noch ein letzter Aufschwung über steile Felsplatten, und wir stehen am Pass, unter uns der Blick ins Ahrntal. Ab der Windbachalm haben wir fast zweieinhalb Stunden Schieben und Tragen hinter uns, kaum zu glauben,
dass hier einmal das ganze Feld der Transalp Challenge vorbei zog!

Unter uns führt der Weg in kunstvoller Manier fast 1000 Höhenmeter in die Tiefe, und trotz der breiten Trasse braucht man solide Fahrtechnik und auch etwas Federweg, um gut voranzukommen. Breite Regenabfluss-Rinnen müssen überwunden werden, und Robert hat wegen immer noch mangelnder Bremskraft am Hinterrad mit seinem Hardtail nicht viel Spaß am Downhill, muss lange Strecken marschieren. Nichtsdestotrotz kommen wir alle zufrieden mit der eindrücklichen Tagesetappe im Ahrntal an, und beziehen unsere Unterkunft im Hotel Untersteinerhof in Gries. Fazit: für Trailliebhaber ist der Krimmler Tauern ein toller Übergang, aber zwei Stunden Schieben sind mindestens einzukalkulieren!


Tagesdaten und Unterkunft:

1850 Höhenmeter

Hotel Untersteinerhof (privat), Übernachtung im Dreier-Zimmer mit Halbpension ca. 65 € pro Person, empfehlenswert mit gutem Essen




Tag 3: Prettau im Ahrntal (1475m) – durchs Hasental zur Hasentalalm (2146m) – weiter zur Ochsenlenke (2614m) – Abfahrt ins Knuttental (1925m) – zum Klammljoch (2298m) – Abfahrt bis zum Alpengasthof Patsch (1675m)


Der nächste Tag startet mit einem Uphill-Hammer, der Auffahrt zur Ochsenlenke. Die Abzweigung der Piste zur Hasentalalm ist nicht leicht zu finden, da die Talstrasse im Ahrntal einige neue Winterschutz-Tunnel erhalten hat, und deshalb meine Freytag&Berndt Karte nicht mehr korrekt war: man muss einen Tunnel zwischen St. Peter und Prettau auf der alten Strasse umfahren, dort zweigt dann ein Asphaltweg zu einem Bauernhof ab, von wo die Almpiste zur Hasentalalm beginnt. Was nun kommt, ist mit ein paar Worten umschrieben: 600 Höhenmeter, 25-30%, Schotterpiste. Ohne 22-34 Übersetzung und dicke Waden ist hier nichts zu gewinnen, und ich muss stellenweise wirklich kämpfen, um im Sattel zu bleiben. Robert und Johannes als alte Bergfahrspezialisten hängen mich einige Male ab, und haben viel Spaß an der „steilen Reissn“. Ab der Waldgrenze unterhalb der Hasentalalm öffnet sich ein toller Blick zurück in die Zillertaler Alpen, leider haben wir missgeplanterweise kein Ladegerät für unsere Kamera dabei und können nur noch Handycam-Fotos als Erinnerung mitnehmen.

Was nach der Hasentalalm kommt, findet man sonst nur in den Dolomiten oder in den Westalpen: eine ehemalige Militärpiste führt in perfekter Neigung weiter zur Ochsenlenke. Teile des Weges sind verfallen, aber trotzdem kann man auf der gut einen Meter breiten Piste fast die gesamte Wegstrecke bis auf 2600 Metern Höhe fahren, dazu noch mit einem tollen Panorama. Ein Traum-Uphill! Oben angekommen sind wir alle voll mit Endorphinen, und gönnen uns eine lange Pause, da uns nicht mehr viele Höhenmeter bevorstehen. Einige Biker kommen uns von der anderen Seite entgegen – auch lohnend, aber man kann die Ochsenlenke von Süden her nicht gänzlich im Sattel erreichen, definitiv ist eine Nord-Süd-Querung die bessere Wahl.

In rasanter Abfahrt erreichen wir bald die breite Schotterpiste im Knuttental, die bergauf zum Klammljoch führt, das die Grenze zwischen Süd- und Osttirol markiert. Nach einer guten Dreiviertel-Stunde erreichen wir die Passhöhe, viele Biker, Bergsteiger, aber auch Radwanderer bevölkern den Weg. Berechtigterweise scheint diese Gegend hier ein beliebtes Ausflugsziel zu sein, und der Blick auf die Osttiroler Seite ins Arvental erklärt auch warum: malerisch breiten sich grüne Almen an den Hängen aus, dazwischen ein Bach und die gut ausgebaute Schotterpiste, darüber die markanten Spitzen der Tauern. Leider findet sich hier kein Trail, und so rollen wir in flotter Fahrt talwärts – lang, lang geht es dahin, bis wir unser Etappenziel Patscher Alm erreichen. Dort werden wir freundlich aufgenommen, und für den Rest des Tages gut mit Hausmannskost bewirtet. Der vorletzte Tag unseres Kurzstrips geht zu Ende.


Tagesdaten und Unterkunft:

1600 Höhenmeter

Patscher Alm (privat), Übernachtung im Dreier-Zimmer mit Frühstück/Abendessen ca. 45 € pro Person, empfehlenswert



Tag 4: Patsch (1675m) – Erlsbach im Defreggental (1555m) – Auffahrt zum Staller Sattel (2084m) – lange Abfahrt bis nach Rasen Antholz (1041m) im Pustertal


Am nächsten Morgen begrüßt uns noch mal strahlendes Sommerwetter. Viele Höhenmeter gilt es heute nicht mehr zu überwinden, da wir nur mehr einen halben Tag zur Verfügung haben. Auf den Spuren des Giro d´Italia biegen wir bei Erlsbach im Defreggental auf die asphaltierte Strasse Richtung Staller Sattel. Da die Überfahrt für Autos nur zu bestimmten Zeiten in je eine Richtung gestattet ist, herrscht zu früher Stunde kaum Verkehr, und wir kurbeln fast alleine durch Lärchenwälder bergauf. Nicht mal eine Stunde dauert die Fahrt bis zur Passhöhe, wo der Obersee ein malerisches Bild bietet. Während Robert und Johannes auf der Asphaltstrasse nach Süden ins Antholzer Tal flitzen, nutze ich den immer wieder die Strasse querenden Wanderweg, der extrem flowig bergab führt und erst kurz vor dem Antholzer See wieder endet – eine echte Spaßstrecke, auf der man aber Rücksicht auf Wanderer nehmen muss. Nun heißt es Strecke machen, und in Formation gelangen wir um kurz nach Mittag nach Olang im Pustertal, von wo wir mit der revitalisierten Pustertaler Bahn nach Franzensfeste und dort über den Brenner wieder zurück nach Innsbruck gelangen.



Tagesdaten und Unterkunft:

Ca. 550 Höhenmeter