2007 - Vom Mont Blanc zum Monte Rosa

 

Routenüberblick: Martigny - Grand Col Ferret - Courmayeur - Val Veny - Col Chavannes - Val d´Aosta - Valsavaranche - Col Lauson - Finestre Champorcher - Val d´Aosta - Col Palasina - Champoluc (9 Tage)


Tag 1: Martigny – Les Vallettes – Champex

Gemächlich rollt der Intercity durch die Weinberge der französischen Schweiz oberhalb von Lausanne, während sich unter uns der Genfer See fast schon wie ein Meer ausbreitet. Ich kann mich vom Fenster nicht mehr losreißen, so faszinierend ist die Szenerie aus tiefblauem Wasser, dem mediterranen Weinanbaugebiet auf der einen Seite, und den schroffen schwarzen Felsen der Dents du Midi auf der anderen Seite.

Nach dem hektischen Zugwechsel in Lausanne trennt uns nur noch eine knappe Stunde vom Startpunkt unserer heurigen Biketour,  Martigny. Wir, das sind Christoph aus Innsbruck, Timm aus Dresden und meine Wenigkeit aus Innsbruck, Freunde schon seit gemeinsamen Schul- beziehungsweise Studienjahren. In den Jahren zuvor haben uns zwei Biketouren (eine durch das einsame Hinterland des westlichen Piemont, die andere vorbei an den Eisriesen des Wallis) zu einer eingespielten Truppe gemacht, und so wollten wir den Sommer 2007 nochmals zu einer gemeinsamem Unternehmung nutzen, bevor unser Berufsleben uns zu weit auseinander zerstreuen sollte.

Die Idee der geplanten Route war, drei große Bergmassive der Alpen miteinander zu verbinden, vom Mont Blanc vorbei am Gran Paradiso zum Monte Rosa, und dabei so viele Eindrücke von der wilden Gebirgswelt mitzunehmen, wie es mit dem Bike nur möglich ist. Als Ziel war der Lago Maggiore festgesetzt, uns allen biketechnisch noch ein völlig unbekanntes Revier.

Nach einer langen Zugfahrt fast durch die gesamte Schweiz sind wir am Nachmittag des 31. Juli schließlich in Martigny, am Südwestzipfel des Wallis, angekommen. Über uns strahlend blauer Himmel, Die Tour kann beginnen. Gleich nach Martigny biegen wir auf ein Asphaltsträßchen ein und kurbeln in Richtung Champex, 1000 geruhsame Höhenmeter zum Warmfahren. Kaum berührt von Autoverkehr schlängelt sich die Strasse durch den Wald, direkt daneben ein paar Marillenhaine, die wir natürlich zur Stärkung nutzen. Vorbei an „le petit canada“, wie das Hochtal auch genannt wird, erreichen wir am Westende des Ortes unser geplantes Übernachtungsziel, die Pension Belvedere.

Ein echter Glückgriff! Nachdem wir am nahegelegenen Lac Champex die Abendsonne genießen konnten, bietet sich beim Abendessen ein Ausblick der Superlative: durch große Panoramafenster im Speisesaal unserer Pension können wir beobachten, wie das Licht der untergehenden Sonne die Gletscherhaube des Grand Combin im Minutentakt in einen anderen zarten Orangeton taucht. Ein herrlicher Starttag, voller Vorfreude auf die morgige Etappe über den Grand Col Ferret verziehen wir uns nach leckeren Käserösti ins Bett.


Tagesdaten und Unterkunft:

1020 Höhenmeter, 19 Kilometer, 2h 15min reine Fahrzeit

Pension Belvedere, Übernachtung im Dreier-Zimmer mit Frühstück/Abendessen ca. 70€ pro Person

Highlights:

Die Zugfahrt entlang am Genfer See, der abendliche Panoramablick auf den Grand Combin



Tag 2: Lac Champex – Orsierres – Val Ferret – Praz de Fort – Ferret – La Peule – Grand Col Ferret – Rifugio Elena

1. August, Schweizer Nationalfeiertag, wir werden beim umfangreichen Frühstücksbuffet von einem Sammelsurium an Schweizer Fähnchen begrüsst, draußen wartet tiefblauer Himmel auf uns. Nach persönlicher Verabschiedung von den freundlichen Wirtsleuten brausen wir im Speedrausch die Strasse ins Val Ferret hinab, das sich im satten Grün wie im Bilderbuch unter uns ausbreitet bevor wir Richtung Süden den Grand Col Ferret ansteuern. Gemütlich rollen wir bergan, vorbei an einzelnen urigen Bauernhäusern, durch sattgrüne Wiesen, bald rücken die ersten Gletscherausläufer des Mont Blanc Massivs ins Blickfeld. Am Talschlussort Ferret endet die Strasse, endlich knirscht Schotter unter unseren Reifen. Die Bäume weichen langsam zurück, wir blicken auf den tiefgrünen Talkessel unter uns, während wir auf der Forststrasse die Alm La Peule erreichen, wo die Piste endet. Von hier zieht ein breit austrassierter Wanderweg weiter bis zum Pass.

Man merkt nun, dass wir uns auf der Tour du Mont Blanc befinden, einer auf Grund ihrer Schönheit und der Nähe des höchsten Berges der Alpen wohl beliebtesten Trekkingrouten in Europa. Hundertschaften von Wanderern, großteils mit schweren Rucksäcken sitzen teils noch auf der Almterrasse zur Mittagspause oder steigen bergwärts, Fernwandern ist in Frankreich wie Italien gleichermassen beliebt. Wir warten eine größere Lücke im Bergsteigerstrom ab und beginnen auf dem Karrenweg bergauf zu pedalieren. Und wirklich, wir kommen gut voran, nur einige übermäßig steile Rampen bringen uns zum Schieben. Zeit, die herrliche Landschaft zu genießen.

Je weiter wir kommen, umso besser wird der Weg, der gut angelegt den Hang entlang führt. Im Sattel überholen wir einige Wanderer, die uns alle freundlich grüßen. Als ich an einer sicherlich 30% steilen Rampe wieder Kräfte sparen will, vernehme ich plötzlich Klatschen – 10 Meter über mir ist eine Gruppe von Wanderen von ihrer Pause aufgestanden und feuert uns lautstark mit „allez allez“ an! Da ist natürlich kein Zurückstecken erlaubt, mit Puls 190 drücken wir die Bikes den Anstieg hinauf und werden dafür mit weiteren französischen Anfeuerungsrufen bedacht. Was für eine ungewohnte Erfahrung, doch ganz anders als in Österreich sollte uns ähnliches hier noch öfters passieren.

Unterbrochen von kurzen Schiebestücken erreichen wir schließlich schon am frühen Nachmittag den Grand Col Ferret, nach Süden hin öffnet sich der Blick auf das italienische Val Ferret, über uns weiß funkelnde Gletscher unter dunklen Felsen. Wir machen lange Pause, schießen Fotos von der Umgebung, und drehen einige Szenen für unseren geplantes Video. Obwohl wir uns auf 2500 Metern Seehöhe befinden, wachsen hier noch zahlreiche Blumen, was gemeinsam mit den fast auf selber Höhe liegenden Gletschern ein fast schon surrealer Anblick ist

Wir müssen nun nur noch bis zur Rifugio Elena abfahren, ein herrlicher Flowtrail leitet uns. Der gut ausgebaute Weg ist abgesehen von einigen Regenrinnen ohne technische Schwierigkeiten, nur ein platter Reifen an Timms neuem Lapierre bremst unseren Vorwärtstrieb. Es sollte die einzige technische Panne in dieser Woche bleiben.

Am Rifugio Elena teilten wir mit zahlreichen Wanderern unser Massenlager, haben aber noch warmes Wasser zum Duschen. Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit Cappuccino, Kuchen und dolce far niente.


Tagesdaten und Unterkunft:

1560 Höhenmeter, 32 Kilometer, 3h 45min reine Fahrzeit

Rifugio Elena (privat), Übernachtung im Massenlager mit Halbpension ca. 40€ pro Person

Highlights:

Die Blumenwiesen und Gletscher am Grand Col Ferret, der Flowtrail zum Rifugio Elena



Tag 3: Rifugio Elena – Val Ferret – Levachey – Courmayeur – Val Veny – Rifugio Elisabetta Soldini

Grau und wolkenverhangen zeigt sich der nächste Tag, der befürchtete Wetterumschwung war eingetroffen. Nach Frühstück und Bikecheck wollen wir anstatt der Forststrasse den Wanderweg ins Tal nehmen, doch nach gerade mal 200 Wegmetern fallen erste Tropfen, und kurz darauf stehen wir in einem waschechten Schauer. Wir retten uns zurück zur Hütte und warten dort etwas unschlüssig das Ende des Regens ab. Wolken wirbeln fast schon im Zeitraffertempo über die Berge, aber nach einer guten Stunde tut sich ein Regenfenster auf und in voller Montur brechen wir ein zweites Mal auf, dieses Mal auf der Piste. Schon am Talboden des Val Ferret erwischt uns wieder der Regen, die Felskathedrale der Grand Jorasses ist von dichten Wolken eingehüllt. Im Eiltempo treten wir auf der nun asphaltierten Strasse Richtung Courmayeur, wo wir im Cafe Centro unseren ursprünglichen Plan, heute noch den Col Chavannes zu queren, verwerfen. Wir sind vom eisigen Regen alle etwas durchfroren, erst nach und nach bringt eine heiße Schokolade wieder Wärme in die Glieder. Wider Erwarten reißt nach einer guten Stunde der Himmel etwas auf, es kann weitergehen!

Trotz allem lassen wir es uns nicht entgehen, dem Dorfzentrum einen kurzen Besuch abzustatten, schließlich darf man Courmayeur ruhigen Gewissens als das italienische Pendant zu Chamonix sehen, dem Mekka des Alpinbergsteigens. Vor der Bergsteigerschule stehen als Metallbüsten die Köpfe großer italienischen Alpinisten, die im Mont Blanc Massiv mit wagemutigen Besteigungen Berggeschichte schrieben. Nach ein paar Fotos biegen wir ins Val Veny ein, grauer Himmel begleitet uns, wir bleiben aber vorerst von weiteren Regenschauern verschont. Kurz reißt die Wolkendecke auf, messerscharfe Grate werden 2000 Meter über uns sichtbar, doch dann ist die Aussicht wieder weg.

Es wird empfindlich kalt, während wir an Höhe gewinnen. Gigantische Schuttmoränen säumen den Weg und wirken fast etwas künstlich, sind aber die Überreste der einst riesigen Gletscher, die durch dieses Tal flossen.

Am Lac Combal überholen wir ein
en Trupp Fernwanderer von gestern, die von einem Muli für ihr Gepäck begleitet werden. Kalter Wind faucht uns entgegen, als das Rifugio Elisabetta Soldini endlich über uns auftaucht. In Anbetracht des wieder einsetzenden Regens beschließen wir endgültig, die heutige Etappe hier zu beenden, um vielleicht morgen eine Chance für ein Mont Blanc Panorama zu bekommen.

Dank unserer frühen Ankunftszeit bekommen wir glücklicherweise noch ein Übernachtungsplätzchen, und die einzige Dusche gibt noch warmes Wasser her. In der Wandersaison ist die kleine Hütte stets übervoll – das Lager besteht aus drei Reihen Betten übereinander, und bis zum Abend ist wirklich jeder Platz belegt. Im kleinen Gastraum muss das Abendessen sogar in zwei Schichten ausgegeben werden, erste Runde von halb sieben bis halb 8, zweite Runde danach. Wir sind in der zweiten Runde mit dem Vorteil, dass wir nicht nach einer Stunde gleich aufspringen müssen. Mit der Hoffnung auf besseres Wetter trollen wir uns früh ins Bett.


Tagesdaten und Unterkunft:

1070 Höhenmeter, 33 Kilometer, 2h 45min reine Fahrzeit

Rifugio Elisabetta Soldini (CAI), Übernachtung im Massenlager mit Halbpension 32€ pro Person

Highlights:

Die Gletscher, die fast bis ins Val Veny fliessen.



Tag 4: Rifugio Elisabetta Soldini – Col Chavannes – Val Chavannes  - La Thuile – Colle San Carlo – Testa d´Arp – Val Aosta – Morgex – Arvier – Valsavaranche

Auch am nächsten Morgen zeigt der Blick aus dem Fenster Nebel... doch erst mal gibt es was zu feiern in unserer Runde: Christoph hat heute seinen 24. Geburtstag, mit einem Stück Kuchen und Teelicht versuchen wir zumindest ein klein wenig Geburtstagsstimmung aufkommen zu lassen.

Fertig zum Aufbruch werden wir von nur sieben Grad Außentemperatur begrüßt, aber dafür wölbt sich über der Hütte ein herrlich farbenprächtiger Regenbogen.

Nach kurzem Downhill bis zum Talboden queren wir weglos auf die andere Talseite, wo wir mit etwas Vorsicht einen eisig kalten Gletscherbach überqueren müssen, der gerade so wenig Wasser führt, dass die Querung ohne nasse Füße möglich ist. Dann heißt es steil bergan schieben, gut 400 Höhenmeter trennen uns vom Col Chavannes. Über uns wirbelt der Wind Nebelfetzen über die Passhöhe, aber es zeigen sich auch schon vereinzelte blaue Flecken am Himmel, und fast während der ganzen Auffahrt begleitet uns der Regenbogen, mal schwächer, mal farbenfroher. Der Weg schlängelt sich den Hang bergan, und trotz der Wolken kann man das Mächtigkeit der gegenüberliegenden Bergkette erahnen, aber der Mont Blanc Hauptgipfel lässt sich noch nicht blicken. Im Süden sehen wir den Col de la Seigne, das Tor in den Süden für Biker auf der „klassischen“ Westalpenroute zum Mittelmeer, aber bisher haben wir überhaupt noch keine bikenden Artgenossen getroffen.

Verrostete Stacheldrahtreste zeugen wie auch in den Dolomiten oder den cottischen Alpen von der militärischen Vergangenheit dieses Weges, ebenso die Kaserne auf der Passhöhe. Dort angekommen verpacken wir uns in alle verfügbaren warmen Klamotten, und hoffen, dass sich die Wolkendecke lichtet. Und wirklich, immer wieder blitzen kurz schneeweiße Gipfel hervor, Riesen mit klangvollen Namen, doch der Blick auf den weißen Monarch bleibt uns verwehrt. Nach einer guten Stunde geben wir auf und hoffen auf eine letzte Chance am Colle San Carlo, unserem nächsten Ziel.

Auf der alten Militärpiste vernichten wir begleitet von leichtem Nieselregen über 1000 Höhenmeter bis ins Tal, wo wir in einer Chocolateria versuchen mit heißer Schokolade wieder etwas Wärme in die Knochen zu bekommen. Auf Asphalt geht’s durch einen schönen Lärchenwald weiter zum Colle San Carlo, das Wetter wird wieder etwas besser, und wir kommen gut voran. Am Aussichtspunkt Testa d´Arp liegt Courmayeur weit unter uns, wir hoffen auf unsere letzte Chance einen Blick zum Mont Blanc zu erhaschen. Nach einer Stunde wollen wir schon endgültig aufgeben, bleiben aber dann auf Christophs Drängen hin doch noch ein paar Minuten, und tatsächlich: für drei Minuten wirbelt sich ein Loch in die Wolkenbank auf der anderen Talseite, und der Gipfel des Mont Blanc wird frei – noch viel höher über dem Talgrund als gedacht, was für ein Gigant! Der weiße Gipfelgrat nimmt einen sofort gefangen, der Stoff, aus dem Alpinistenträume sind.

Mit diesem Bild im Kopf machen wir uns an die rasante Talfahrt ins Val Aosta, wo uns leider nichts anderes übrigbleibt, als gut 10 Kilometer auf der Talstrasse abzuspulen. Leicht bergab, mit Rückenwind kommen wir aber fast mit 35 km/h Schnitt voran, bis bei Arvier die Bergfahrt nach Valsavaranche beginnt.

Zum ersten Mal auf einer mehrtägigen Tour kehren wir damit in bekanntes Revier zurück, schon 2005 nach unserer gescheiterten Querung des Col Lauson sind wir hier bergab gebraust. Eine gewisse Vorfreude ergreift von mir Besitz, während wir die Talstrasse nun bergwärts kurbeln, der Col Lauson war für mich das insgeheime Highlight dieser Tour. Und als Vorgeschmack ziert sich der zweite große Berg unserer Route nicht so lange wie der Mont Blanc: schon spitzt das runde, gletscherbedeckte Haupt des Gran Paradiso vor uns heraus, in der Abendsonne ein schöner Anblick.

Mit all unseren Aussichtspausen ist es spät geworden, in der Kühle des tief eingeschnittenen Tales werden die Beine schwer. Schließlich taucht das Ortsschild des Hauptortes Valsavaranche auf, wir machen uns auf die Suche nach unserer Unterkunft von 2005, ein uriges mit großer Herzlichkeit geführtes Bed & Breakfast. Leider bekommen wir dort keinen Platz mehr, finden aber im Gästehaus des Campingplatzes noch ein Zimmer mit Dusche. Dort werden wir in piemontesischem Umfang bewirtet, vor allem eine wunderbare lokale Reisvorspeise und ein guter Rotwein bleiben im Gedächtnis. Bei inzwischen sternenklaren Himmel und in gespannter Erwartung auf den morgigen großen Tag verkrümmeln wir uns in die Betten.


Tagesdaten und Unterkunft:

1930 Höhenmeter, 74 Kilometer, 5h 40min reine Fahrzeit

Camping Grivola, Übernachtung im Vierer-Zimmer mit Halbpension 55€ pro Person

Highlights:

Die Aussicht von der Testa d´Arp auf den Mont Blanc



Tag 5: Valsavaranche – Eaux Rosses – Col Lauson – Rifugio Vittorio Sella

Gut ausgeschlafen springe ich aus dem Bett und kann mich über den strahlend blauen Himmel nicht genug freuen. Gefrühstückt, Bikes gepflegt und dann geht’s schon los zum Abenteuer Col Lauson!

Noch ein kurzes Stück auf der Strasse taleinwärts nach Eaux Rosses, dann stehen wir bei der bekannten Abzweigung mit dem gelben Schild: Col Lauson, 3299 m, 5 Stunden. Dieses Mal wissen wir, was uns erwartet, und schieben in Ruhe die ersten unfahrbaren Wegmeter über ausgewaschene Pflastersteine. Dann wandelt sich der Weg zum erdigen Waldpfad durchsetzt von einigen Wurzeln. Ausgeruht und mit voller Konzentration treten wir bergan, und wirklich zwingen uns dieses Mal nur wenige steile Spitzkehren aus dem Sattel. Das Fahren durch den schönen Lärchenwald macht richtig Spaß, und an der Waldgrenze kommt noch ein herrliches Panorama auf die Gipfel des Grand Combin im Norden dazu. Der ehemalige königliche Reitweg schlängelt sich in perfekter Manier den Hang über dem Tal entlang. Erst knappe 100 Höhenmeter unter dem Jagdhaus Levionaz wird der Weg zu ruppig zum Fahren, wir schieben.

Nach einer Geländestufe ist der urige Steinbau des Jagdhauses auch schon erreicht. In einem Teich plätschert das Wasser, die kleine Marienkapelle passt zum ruhigen Charakter dieses Ortes. Wir gönnen uns eine lange Pause und genießen die Landschaft: über uns öffnet sich der Kessel des Hochtals Levionaz, unter uns das Valsavaranche, auf der anderen Talseite der Col del Mento, der uns von 2005 noch in Erinnerung geblieben ist. Es ist ein herrlicher Ort, um die Seele baumeln zu lassen. Wir machen Fotos und brechen schließlich mit frischen Wasservorräten wieder auf.

Flach geht’s weiter, dann müssen wir wieder eine verblockte Steilstufe bergan schieben, bis wir auf einer schmalen Holzbrücke den Bach am Talende queren. In weiten Kehren schlängelt sich der ehemalige Reitweg von hier weiter den Hang bergauf, der Untergrund ist eben und es hängt nun nur von der Lunge und dem persönlichen Einsatz ab, wie viel man fährt. Wir entscheiden uns für einen guten Mittelweg und fahren einen Großteil, unterbrochen von kurzen Schiebepassagen um Kraft zu sparen und den in jedem Moment herrlichen Tiefblick hinter uns zu genießen.

In fast totaler Einsamkeit kommen wir gut voran, während die Luft immer dünner wird. Auf knapp 3000 m Seehöhe ist dann endgültig Schluss mit Treten, der breite Reitweg verliert sich in der Schuttwüste unterhalb des Col Lauson – wir können die Passhöhe schon über uns erkennen. Hier mussten wir 2005 auf Grund der fortgeschrittenen Uhrzeit um 18.30 kapitulieren, ab jetzt betreten wir wieder Neuland.

Auf dem nun enorm steilen Wanderweg ist Tragen deutlich ökonomischer als Schieben, und gutes Schuhwerk eine echt Grundvoraussetzung – mit glatten Rennschuhen wäre hier kein Vorankommen möglich.

Das Bike am Rücken, langsam, Schritt für Schritt gewinnen wir an Höhe, hinter uns stets die Aussicht auf die Grivola und das inzwischen unglaublich tief unter uns liegende Valsavaranche. Und plötzlich ist die Passhöhe erreicht, auf der anderen Seite rückt am Horizont im Vordergrund der Mont Emilius und dahinter auch schon der Monte Rosa ins Bild. Ein berauschendes Gefühl!

Auf der schmalen Scharte finden gerade mal unsere drei Bikes und wir Platz, ein großes gelbes Schild zeigt die erreichte Höhe. Wir sitzen, staunen und schweigen. Auf einem nahegelegenen Stein findet Timm den Namen „Toniolo“ eingraviert, von Marco Toniolo, der diesen Pass als Pionier auf seiner alten Homepage und dann auch in einem populären Magazin bekannt gemacht hat. Wohl einer der schönsten Bikepässe, hoffentlich wird dieser einsame, historische Weg auch in Zukunft von allen Bikern mit dem nötigen Respekt befahren.

Nach einiger Zeit wird unsere Pause für fünf Minuten tatsächlich von einem anderen Biker unterbrochen, ein durchtrainierter Einheimischer, der sein Rad im Eilschritt den Pass heraufträgt, und nach einer kurzen Pause auch schon wieder auf der anderen Seite bergab marschiert – für ihn offensichtlich eine kurze Wochenendtour.

Nach einiger Zeit brechen auch wir wieder auf, schwer ist es sich von diesem Ort loszureißen. Die ersten ausgesetzten 100 Höhenmeter schieben wir, mit absoluter Fahrsicherheit könnte man aber sogar den Hang entlangzirkeln – bei einem Fehltritt geht’s 400 Meter in die Tiefe. Aber ab Höhenmeter 3150 führt der Weg fast schon wieder unverblockt durch einen Schotterhang in die Tiefe, Trail surfen in über 3000 m Seehöhe!

Mit Glücksgefühlen erreichen wir durch Blumenwiesen das Rifugio Vittorio Sella, bekommen erfreulicherweise noch einen Lagerplatz und lassen dann bei Cappuccino und Panachee (das französische Äquivalent des Radlers) in der Abendsonne das Erlebte Revue passieren – ein perfekter Biketag!

Als Krönung gönnen wir uns zum Abendessen noch eine Flasche Barbera aus der Weinkarte der Hütte, ein Wein der seit 2006 zu unserem Lieblings-Piemonteser avanciert ist. Im gut gefüllten Gastraum kommen wir dann mit einem perfekt englisch sprechenden Italiener aus Neapel ins Gespräch, der uns den Tipp gibt, am nächsten Morgen einen nahegelegenen See aufzusuchen, wo in der Früh Steinböcke und Gemsen zu beobachten wären. Damit war der Plan für den nächsten Tag schon klar!


Tagesdaten und Unterkunft:

1780 Höhenmeter, ca. 19 Kilometer, ca 6h reine Fahr/Schiebezeit

Rifugio Vittorio Sella (CAI), Übernachtung im Lager mit Halbpension 36€ pro Person (inkl. Dusche)

Highlights:

Der ganze Tag...



Tag 6: Rifugio Vittorio Sella – Valtoney – Cogne – Lillaz – Rifugio Sogno – Finestre di Champorcher – Lago Miserin – Rifugio Dondena

Um kurz vor sechs riss uns der Wecker recht unsanft aus dem Schlaf, aber trotzdem waren wir gleich angezogen und mit den Bikes auf dem ruppigen Königsweg Richtung Süden zu besagtem See. Von 0 auf 100 so früh am Morgen ist eine zache Sache, glücklicherweise ist schon nach ein paar Minuten Fahren nicht mehr möglich, wir lassen die Bikes liegen und marschieren in der morgendlichen Dämmerung weiter. Die Berge über uns erglühen im ersten Rot, und wirklich sehen wir in der Ferne auch schon die ersten Gemsen. Wir pirschen uns vorsichtig näher, und beobachten innerhalb der nächsten Minuten dann auch einige junge Steinböcke, wunderschöne Fotomotive. Im Osten blinzeln einstweilen die ersten Sonnenstrahlen über die Bergkette, die wir heute noch queren wollen, es kündigt sich nochmals ein herrlicher Tag an. Wir beobachten den Sonnenaufgang, genießen diese Momente der Ruhe und den schönen Anblick. Ich nutze eine kleine klare Wasserlacke um mit dem Fotoapparat zu experimentieren, und stelle wieder einmal fest wie sehr ein paar Minuten Unterschied ein Foto verändern können.

Zurück auf der Hütte gönnen wir uns gemütlich unser Frühstück, bevor es an den langen, schwierigen Downhill nach Cogne geht. Anfangs noch im Rahmen unserer technischen Möglichkeiten, wird der Weg weiter unten verblockt und steil, und wir müssen einige längere Abschnitte schieben. Mit fortschreitender Stunde kommen uns immer mehr Wanderer entgegen, ganze Heerscharen scheinen das Rifugio Vittorio Sella als Sonntagsziel zu haben. Aber auch hier begegnen uns nur freundliche Blicke und begeisterte „Dai Dai“ Rufe, während wir einige für uns fahrbare Stellen bezwingen.

Im Tal angekommen begegnen wir den Teilnehmern eines Berglaufs, mit zahlreichen begeisterten Zuschauern. In Cogne selbst herrscht dementsprechender Betrieb, den wir von einem Cafe am Dorfplatz beobachten.

Anfangs auf der Strasse, dann auf einer breiten Schotterpiste beginnen wir den langen Uphill zur Finestre Champorcher. Über mehrere Talstufen gewinnen wir an Höhe, leider verschandeln fette Hochspannungsmasten die ansonsten idyllische Landschaft, und einige Autotouristen überholen uns. Am Nachmittag ist schließlich das Rifugio Sogno erreicht, wo wir eine gemütliche Mittagspause mit Ciabatta und Prosciutto einlegen.

Für knapp 300 Höhenmeter ist nun Schieben angesagt, der schmale Wanderweg zur Finestre Champorcher ist von zig Halbschuhtouristen belebt, die aufgeregt plaudernd dem Pass zustreben und uns auch allesamt freundlich grüssen oder anfeuern. Wir haben unser Ziel bald erreicht, nach der Stille des Col Lauson am Vortag ist die unerwartete Betriebsamkeit auf diesem Pass etwas befremdlich. Außerdem wird die Gemütlichkeit davon gestört, dass der Boden fast zentimeterhoch mit Gemsenmist belegt ist... all das ändert aber nichts an der schönen Aussicht in beide Richtungen.

Auf einer alten Militärpiste brechen wir bald wieder auf und steuern den malerischen Lago Miserin an, wo wir anstatt der erwarteten CAI-Hütte nur ein Selbstversorgerhaus antreffen, ein planerischer Lapsus meinerseits. Glücklicherweise findet sich etwas weiter mit dem Rifugio Dondena noch eine gute Übernachtungsstation, wo wir inklusive Dusche den Tag ausklingen lassen können.


Tagesdaten und Unterkunft:

1420 Höhenmeter, 35 Kilometer, 4h 35min reine Fahrzeit

Rifugio Dondena (privat), Übernachtung im Vierer-Zimmer mit Halbpension 44€ pro Person

Highlights:

Sonnenaufang in der Nähe des Rifugio Vittorio Sella, begleitet von Steinböcken.



Tag 7: Rifugio Dondena – Val Champorcher – Val Aosta – Hone – Ferres – Isollaz – Allesaz – Brusson – Estoul  – Rifugio Arp

Der Morgen bringt Wetterverschlechterung, dicke Nebelfetzen quellen aus dem Tal nach oben und schaffen eine gespenstische Szenerie. Vor uns liegen über 2000 Höhenmeter Downhill bis ins Val Aosta. Zuerst auf teils ruppiger Schotterpiste, dann auf der Strasse fliegen wir talwärts, vorbei an mehreren uralten Weilern – malerische Steinbauten mit den typischen schiefergedeckten Dächern. Gedanken über den Bestand dieser Kulturlandschaft werden wach. Die althergebrachte Bewirtschaftung der hochgelegenen Höfe bringt kaum noch Einkommen, die jungen Menschen ziehen weg und die alte Generation stirbt. Ich hoffe, dass durch entsprechende Fördermodelle oder auch sanften Tourismus, wie er schon in anderen Gegenden des Piemonts erfolgreich praktiziert wird, auch Täler wie dieses in ihrer ursprünglichen Form erhalten bleiben.

Der Downhill scheint kein Ende zu nehmen, aber irgendwann sind wir doch im schwülen Trog des Val Aosta angekommen. In Verres platzen wir in den Markttag, und nutzen die Gelegenheit bei einem Händler reichlich Formaggio, Brot, und sogar relativ günstig Bresaolo (luftgetrockneter Rindrohschinken, köstlich) zu erstehen.

Nun trennen uns mehr als die gerade vernichtete Höhendistanz von unserem heutigen Ziel, dem Rifugio Arp. Das Wetter ist wieder besser geworden, blauer Himmel begleitet uns bei unserem Uphill durchs Val d´Ayas. Wir nehmen nicht die Talstraße, sondern experimentieren mit einer als Karrenweg in der Karte verzeichneten Route auf der anderen Talseite. Einmal schickt uns die unsägliche IGC-Karte zwar (wie auch schon 2006 passiert) in die Pampa, aber wir finden doch noch den richtigen Weg bis Brusson. Es ist inzwischen enorm schwül, wir machen eine längere Pause bei Brot und Käse und kühlen uns ausgiebig am Dorfbrunnen.

Es sollte noch ein langer Tag werden... auf Asphalt kommen wir bis 1900 m Seehöhe, dann zweigen wir auf eine steile Skipistenstrasse ab, bis wir schließlich in einem malerischen Talkessel das Rifugio Arp über uns sehen. Der Höhenmesser zeigt schon mehr als 2300 bewältigte Höhenmeter, die Beine werden schwer und jeder fährt nun sein eigenes Tempo im kleinsten Gang. Noch eine steile Rampe, ein Stück Singletrail, und wir stehen in der Abendsonne vor der Hütte, ein beeindruckender Steinbau. Die Wirtin begrüßt uns euphorisch – ah, con bici, bravo bravo – und zeigt uns unser Zimmer und die neuen Waschräume mit Dusche. Es sollte die beste Hüttenübernachtung der ganzen Tour werden: ein urgemütlicher Gastraum mit Sofas vor einem kleinen Ofen, eine große Auswahl an Rotweinen, und ein tolles Menu mit Schinken als Vorspeise und köstlichen Nudeln. Müde, aber zufrieden, trollen wir uns mit dem Wissen über einen schlechten Wetterbericht ins Bett.


Tagesdaten und Unterkunft:

2350 Höhenmeter, 69 Kilometer, 6h 10min reine Fahrzeit

Rifugio Arp (CAI), Übernachtung im Zimmer mit Halbpension 40€ pro Person

Highlights:

Das urgemütliche Rifugio Arp und die schöne Aussicht retour in die grajischen Alpen



Tag 8: Rifugio Arp – Col Palasina – Champoluc

Der nächste Tag begrüsst uns nun mit wirklich schlechtem Wetter, dicke Wolken, Nebel und Nieselregen wohin man auch blickt. Wir brechen nach dem Frühstück trotzdem auf, drehen im Nebel ein paar Videoszenen, und, als würde das den Wettergott herausfordern, stehen wir plötzlich im dichtesten Regen, kommen kaum rechtzeitig in die Regenklamotten. Wir warten 10 Minuten bei einer nahegelegenen Alm, und retten uns dann zum Rifugio Arp zurück. Die Wirtin kümmert sich gleich wieder herzlichst um uns, wirft den Ofen an damit wir unsere Sachen trocknen können und bringt uns heiße Schokolade.

In Anbetracht des Wetterberichts – Mittelmeertief – glauben wir kaum an Besserung, aber tatsächlich reißt es nach zwei Stunden wieder etwas auf, im Tal unter uns liegen die Wolken. Wir schlüpfen in die noch leicht feuchten Sachen und machen uns auf den Weg zum Col Palasina, ein bisher kaum beschriebener Übergang. Bald müssen wir schieben, auf einem steilen Wanderweg gewinnen wir an Höhe. Auf 2668 m ist die einsame Passhöhe erreicht, wir machen ein Selbstauslöserfoto, das unser vorerst letztes gemeinsames Foto sein sollte, wie wir zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

Die Wolkendecke wird wieder dichter und verhindert jegliche Aussicht, wir müssen schauen, dass wir weiterkommen. Der Downhill ist schwierig, teils verblockt und mit engen Spitzkehren, wir müssen einige längere Abschnitte schieben, bis plötzlich wieder Regen einsetzt. Goretex-Klamotten wieder raus und weiter talwärts, der Regen wird beständig stärker. Wir beschließen, von unserem ursprünglichen Ziel, dem Col Olen mit dem legendären Rifugio Guglielmina abzusehen, und ins Tal nach Champoluc abzufahren. Im dichten Regen eine wahre Schlammschlacht, was die Zimmersuche dann etwas verkompliziert.

Im Laufe des restlichen Nachmittags wird es wieder trocken, wir spazieren etwas durch den Ort und checken in einem Internetcafe mehrere Male den Wetterbericht: Mittelmeertief, die Prognose für die nächsten Tage lautet auf Regen und Schneefall bis auf 2000 m. Was tun? Die geplanten hochalpinen Übergänge über den Col Olen und noch mehr über den Col del Turlo wären unter diesen Umständen vielleicht sogar gefährlich, ganz sicher aber umsonst in Sachen Panorama. Leicht unzufrieden diskutieren wir den weiteren Verlauf, es gibt keine leichteren Wegalternativen in diesen steil aufragenden Ausläufern des Monta Rosa Massivs. Wir sind nicht ganz sicher, beschließen aber umzudisponieren und vielleicht in Richtung Gardasee zu fahren. Ich bin etwas deprimiert, hatte mich innerlich schon so auf den Anblick der gigantischen Monte Rosa-Ostwand gefreut, die wir vom Val Anzasca aus gehabt hätten, auch auf den Anblick von Pollux und Castor und der Übernachtung auf dem legendären Rifugio Guglielmena, das „älteste Berghotel“ der Welt.

Es fällt uns allen drei schwer, sich mit dieser Entscheidung anzufreunden, erst bei einem Grappa und Kartenspiel am späten Abend stellt sich wieder ein bisschen Entspannung ein.


Tagesdaten und Unterkunft:

320 Höhenmeter, 14 Kilometer, ca 2h reine Fahrzeit



Tag 9: Champoluc – Verres – Heimreise nach Innsbruck

Ein schicksalhafter Tag bricht an, mit einer Reihe von kleinen Zufällen, die ultimativ zum Diebstahl von Christophs Bike führen...

Noch scheint alles in Ordnung, bei mässig schlechtem Wetter und nur leichter Bewölkung fällt der Abbruch der Tour noch schwerer, aber die Bergspitzen im Norden hängen schon in schwarzen Wolken, ich sehe ein, dass Weiterfahren sinnlos ist. Wir rasen auf der Strasse zurück nach Verres, um unseren Zug nach Mailand zu erwischen. Auf halbem Weg fällt mir auf, dass ich das kleine Spiralkabelschloss, mit dem wir unsere Bikes während der Nacht zumindest gegen Spontandiebe stets sichern, bei unserer Pension vergessen habe. Ich denke mir noch, jetzt auch kein Verlust mehr. Wir erreichen rechtzeitig Verres, und verfrachten unsere Bikes wie gewohnt in das Fahrradabteil der italienischen Interregios am Zugende, dieses Mal unabgesperrt. Im selben Waggon ist ausnahmsweise kein Sitzplatz mehr frei, der Zug dicht von Pendlern besetzt. Jeder etwas in Gedanken versunken, marschieren wir einfach in den nächsten Waggon, setzen uns hin, und starren aus dem Fenster auf die aufwallenden Gewitterwolken.

Irgendwann verschwindet Timm um seine Wasserflasche vom Bike zu holen, kommt zurück und sagt mit entsetztem Gesichtsausdruck: „Stoffl, dein Bike ist weg!“. Wir springen alle auf und rennen in das Radabteil, es ist weg, Christoph ist verzweifelt. Über den Rest der Geschichte kann man eigentlich den Mantel des Schweigens breiten. Nach langem Reden mit der Schaffnerin finden wir zumindest heraus, wo am Bahnhof Mailand wir Anzeige erstatten können, und erreichen mit nur mehr zwei Bikes spät am Abend den Bahnhof Innsbruck.

Die Stimmung ist gedrückt, die ganze Situation surreal. Erst beim traditionellen Tourausklangsessen und der Betrachtung der Fotos stellt sich wieder etwas Freude über die schönen Momente der vergangen Woche ein, auch wenn die Tour nicht ihren geplanten Ausgang nehmen konnte.


Fazit: Trotz des Totalverlusts eines Bikes bleiben viele schöne Erinnerungen an diese Tour, vor allem das beeindruckende Erlebnis entlang der Berggiganten Mont Blanc, Gran Paradiso und Monte Rosa. Letzteren konnten wir zwar nur aus der Ferne bewundern, aber so bleibt zumindest Stoff für zukünftige Tourenträume. Biketechnisch wunderschön waren vor allem die Übergänge am Grand Col Ferret und auch an der Finestre Champorcher, überragt von der Einzigartigkeit des Col Lauson, für den man aber die Bereitschaft zum längeren Tragen mitbringen muss.

Besonders im Gedächtnis bleibt uns wie auch schon bei unserer Tour im Jahr 2006 wieder die Gastfreundschaft und Esskultur, die so typisch für das Piemont zu sein scheint. Fast überall wurden wir umfangreichst und köstlich bewirtet, und auf den meisten Hütten ist sogar eine Weinkarte, auf der sich wirklich gute Tropfen zu günstigen Preisen finden, eine Selbstverständlichkeit.

Und irgendwann werden wir auch noch am Col del Turlo stehen und die restlichen schwarzen Täler südöstlich des Monte Rosa erkunden..